Fleischlich oder Geistlich?


Trotz der Thematisierung im letzten Kapitel, über dem geistlichen Wachstum, würde ich gerne noch auf drei Zustände eingehen, die in der Bibel zu finden sind. Sie sind der bereits beschriebenen Zuständen sehr ähnlich, jedoch beziehen sie sich mehr auf die Zustände des natürlichen und dem geistlichen Menschen. Zu Beginn betrachten wir die drei Typen „psychikos, sarkikos und pneumatikos“.

Das griechische Wort „psychikos“, dass übersetzt, der natürliche Mensch bedeutet, wurde von dem Wort Psyche (Seele) abgeleitet. Es beschreibt den Menschen, der eine Seele besitzt, aber auch ein Sünder ist und ist dem Wort „pneumatikos“, was geistlich oder himmlisch bedeutet, entgegengesetzt. Pneumatikos sind Menschen, die gekennzeichnet durch den Geist leben und wandeln (Röm. 8,4.5.14) und mit dem heiligen Geist versiegelt sind. (Eph. 1.13).

(Röm. 7,1-25)
14 Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; 15 denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. 16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, daß es recht ist.

So wie Paulus in Römerbrief Kapitel 7 Vers 14 schreibt, dass er unter der Sünde verkauft und fleischlich („sarkikos“) ist, weiss er aber trotzdem, dass das Gesetz geistlich ist. So können wir daraus schliessen, dass er zwar wissend seine Sünden bekennt, aber trotzdem das tut, was ihm missfällt. Es ist im Geist nicht möglich, dass ein wiedergeborener Christ nicht wissen kann, in welcher schandhaften Situation er sich befindet, wenn das Fleisch über den Alltag und Gedanken die überhandnimmt. Obwohl sich einige Bibelausleger die Frage stellen, ob Paulus nach seiner Wiedergeburt überhaupt mit dem Heiligen Geist versiegelt wurde, was wiederum bedeuten würde, dass man um die Versiegelung mit dem Heiligen Geist kämpfen müsste. Kaum möglich, da wir im Wort lesen, dass wir auf den Tag der Erlösung mit dem Geist versiegelt wurden (Ehp.4.30). „Und betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes, durch welchen ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung.“ Aber die Warnung dazu, dass wir den Geist nicht betrüben sollten (Jes.63.10), darf nicht ausser Acht gelassen werden. Wer das tut, lebt fleischlich.

. 17 Nun aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. 18 Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, [finde ich] nicht. 19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, dieses tue ich. 20 Wenn ich aber dieses, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. 21 Also finde ich das Gesetz für mich, der ich das Rechte ausüben will, daß das Böse bei mir vorhanden ist. 22 Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; 23 aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Wer genau liest, sieht, dass das „Ich“ der entscheidende Hauptgegner des Gesetzes ist. Egal ob ein Schuldbekenntnis vorhanden ist, das „Ich“ bleibt der Hauptkontrahent, eines immer wiederkehrenden Kampfes gegen den Geist. Egal wie sich das Ich von dem Fleisch differenziert, beide haben stets den Anspruch über den Geist zu herrschen. Sichtbar in vielen Dingen des Alltags, orientiert sich der fleischlich gesinnte Mensch, an seinen Gefühlen oder seiner Vernunft und vergisst in vielen Dingen, den HERRN in den Mittelpunkt zu stellen. Eher befriedigt er sein Fleisch, in dem er das Verlangen des Fleisches für kurze Zeit befriedigt. Gottes Wille bleibt ersichtlich, aber ein wahrhaftiger Wille, dem Heiligen Geist die Möglichkeit zu geben die Sünde zu töten (Röm. 8,13), ist nicht vorhanden. Wer von ganzem Herzen in dem Moment, wo das Fleisch beginnt, Macht zu ergreifen, den Blick nach oben, zu Jesus Christus wendet und dabei das „untere“  als Schund und Dreck erachtet, wird nicht mehr der Begierde nachgehen, sondern bleibt beständig durch den in uns wohnenden Geist (1Kor. 3,16).Deutlich offenbart uns das Wort Gottes, Gottes Gedanken über den Umgang mit unserem neuen, vom HERRN erhaltenem Leib, der in keiner Hinsicht Gemeinschaft mit Sünde haben soll. Ein Leib, der in absoluter treue gepflegt werden soll. Wer diesen verdirbt, wird selbst von Gott verdorben (1Kor. 3,17). Denn der Leib ist sein Tempel und dieser ist heilig, so sollen auch wir heilig sein. Stellen wir uns einmal einen original Tempelmodell visuell vor, gemäss der Pracht, die uns Bibel über den Tempel beschreibt - nun nehmen sie ein Gläschen vom feinsten Château Margaux, ein sinnlicher Bordeaux, dessen Duft und Geschmack als Musterbeispiel an Eleganz und Finesse bezeichnet, wird. Jetzt schütten sie das Gläschen über den Tempel!
Könnten sie nun all die Hinterbliebenen Flecken bis zur ursprünglichen Reinheit des Tempels bereinigen? Nein! Denn wir lesen in Jeremia Kapitel 2 Vers 22:
„Ja, wenn du dich mit Natron wüschest und viel Laugensalz nähmest: schmutzig bleibt deine Ungerechtigkeit vor mir, spricht Gott, der HERR.“

Natron ist ein beachtlich gutes Reinigungsmittel, das bereits im alten Ägypten als ,,schön und weiss" betrachtet wurde. Es sei rein und mache rein, im physischen und im psychischen Sinne. Im Ersteren durch ihre säubernde und konservierende Wirkung, im Letzteren durch das Emporwirbeln ihres wohlriechenden und den Göttern wohlgefälligen Dampfes . Es ist in der Tat ein Mittel, das scheinbar alle Verunreinigungen entfernen könnte aber in keiner Art und Weise, wie es unser HERR Jesus Christus durch sein Blut getan hat. Die Frage eher noch, ob man es überhaupt tun würden, den Tempel so zu beschmutzen, wenn der Geist Gottes einem die Sünde vor die Augen stellt und man daher in seiner Kraft, Nein zur Sünde sagen kann. Wer sich im Grunde darauf stützt, dass er von dem HERRN Jesus Christus stets von der Sünde bewahrt wird, hat sich getäuscht. Im 1 Johannesbrief Kapitel 5 Vers 18 lesen wir, dass ein wiedergeborener sich selbst bewahrt (τηρεῖ ἑαυτὸν)15 und daher von dem Bösen angetastet wird.

„Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an.

Auch wenn in einigen modernen Bibelübersetzungen es mit - „wird bewahrt“ übersetzten wird, was wiederum bedeuten würde, dass man keine Mühe mehr scheut, sich von der Sünde abzuwenden, sondern dass Gott uns vor jeder Sünde bewahrt und man somit keine im Geist erworbene Selbstdisziplin zur Verneinung der Sünde dazu braucht, um sich nicht von der Sünde zu verunreinigen. Sollte es dem Wiedergeborenen nicht ersichtlich sein, dass unsere Herzhaltung zu Gott, das Fundament der treuen Nachfolge Jesu Christus ist? Wenn Jesus Christus spricht: „ohne mich könntet ihr nichts tun“! bezieht es sich auf das, dass wir im Geist Nein zur Sünde sagen können und nicht darauf, dass Gott uns vor jeder Sünde fernhält. Gott verlangt von uns eine Hingabe in Liebe und beständiger Treue – das ist die Frucht des Geistes (Gal 5.22). Im Geist lieben wir den HERRN – im Geist bleiben wir im HERRN und er in uns.
Weil der HERR unser Eckstein wurde (Psalm 118,22), sind wir nun dazu befähigt, auf dem von ihm gelegten Grund zu bauen. Durch ihn ist jeder von uns zu einem lebendigen Stein geworden um dem HERRN geistliche Schlachtopfer (unser ganzes Leben) darzubringen, die für Gott wohl ansehnlich sind (1 Petr. 2,5). Wir sind Gottes Ackerfeld (nicht nur die Gemeinde ist damit gemeint) und jeder muss darauf achtgeben, wie er darauf baut (1Kor 3,8). Ein jeder nach dem von dem HERRN gegebenen Mass an Gaben (Röm 12,3).
Wir haben also durch Gottes Geist die Möglichkeit erhalten, durch Erforschung und Festigung seines Wortes in unserem Herzen, Gottes Ratschlüsse zu erkennen, die nicht nur unser vergängliches Leben in einem verdienten Mass an Segnung beeinflussen, sondern den grössten Einfluss auf den Lohn haben, den uns nach dem Tod bevorsteht. Alle unsere Werke werden im Feuer geläutert. Jene Menschen, deren Werke im Feuer beständig bleiben und nicht verbrennen, erhalten einen Lohn gemäss ihrem Verdienst an der Treue zum HERRN, denn alles wird zu seiner Zeit offenbart werden. Wenn es aber verbrennt, wird man Schaden leiden, jedoch nicht verloren gehen, sondern gerettet wie ein Brennholz, das bereits verfügbar zur Verbrennung wäre (1Kor 3.15 / Amos 4,11). Ja, dieser Tag wird kommen, in welchen Gott das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen wird und alle Ratschläge des Herzens offenbart werden (1.Kor 4,5). Daher umso mehr soll man stets darauf bedacht sein, dass man behutsam mit dem umgehen sollte, was man von Gott erhalten hat.
Die Wege eines geistlich erfüllten Menschen, „pneumatikos“, sind in der Tat so ungewiss wie der Weg eines Windes. Denn niemand kann fassen, wohin er geht, jedoch hört er auf sein Sausen. (Joh 3,8)
„Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist“.  
Nicht nur einmal wird in der Bibel das Ziel zur geistlichen Reife erwähnt, sondern mehrmals wird darüber gesprochen. So wissen wir also, dass es nicht grundlos erwähnt wird, sondern dass es eine Notwendigkeit ist, die zur „ausgereiften Beziehung“ mit dem lebendigen Gott führt. Der Geist Gottes übernimmt in diesem geistlichen Zustand das Amt der Erleuchtung und offenbart die Tiefen Gottes, die aber nie gänzlich fassbar sind.
Der pneumatikos beurteilt alles geistlich und kann das Wort Gottes fassen, während es für den natürlichen Menschen, den psychikos, eine Torheit ist. Dies daher, weil er nicht mit dem Geist Gottes erfüllt ist und sich nur auf den Verstand stützt.  
In seinem geistlichen Wesen, ( der pneumatikos ) sieht er eine Verpflichtung ständig zu lehren, ist aber bereits nicht mehr fortdauernd auf äussere Äusserungen oder Auslegungen angewiesen, sondern hat die Kraft das Wort zu verstehen aber allem voran dies auch zu praktizieren. Das gelernte wird ausgelebt. Wie das Wort im Korintherbrief Kapitel 4 Vers 20 sagt: „denn das Reich Gottes besteht nicht im Worte, sondern in Kraft.“

Was für ein Zweck ist es, wenn man weiss aber nichts tut? Ist so der Glaube nicht so in sich tot (Jak 2,14-20)? Ja das ist es. Dieses Wissen kann so Einigen zum gottwohlgefälligen Zweck dienen oder der Mensch bläht sich damit auf und wird zum Lügner. Wer nun meint, dass er viele Dinge erkannt hat und sich teilweise darüber rühmt, hat den wahren Kern der Erkenntnis nicht erkannt. Denn nur die wahre Liebe zum HERRN Jesus Christus ist es, die einen erbaut. Nicht unser erhöhter Wissensstand über das lebendige, wirksame Wort Gottes! Nein, durch die Liebe zu ihm werden wir von Gott erkannt! Auserwählt und geliebt. So werden wir zu Liebenden und werden im immer ähnlicher (1Kor 8.1b).
Durch das Erforschen des Gottes Wort wird das Wissen ein wichtiger Bestandteil eines geistlichen Lebens. Der Verstand ist ebenfalls ein wirksames Element, das der Anbetung zur Verfügung gestellt werden muss. Die Gefahr ist aber, dass wir uns selbst im Wissen überschätzen und den Verstand durch Gefühle ersetzen, indem wir durch eine Selbstbeurteilung eine innerliche Zufriedenheit über den geistlichen Zustand haben und daher meinen, dass wir unseren Zustand selbst erkennen können. Eine Unmöglichkeit, denn nur der HERR kann uns beurteilen (1Kor 4,4). In der Zucht des HERRN, lässt uns der HERR aber erkennen, in welchem Zustand wir uns befinden und haben dadurch Einsicht über viele Dinge, die nicht zu seiner Ehre getan oder gesagt wurden, sondern dass wir den in uns wohnenden Glanz der Herrlichkeit Gottes mit eigenen Mitteln verdrängt haben. Gott aber der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu berufen hat, will uns dadurch befestigen, kräftigen, gründen und vollkommen machen (1 Petrus 5,10), sodass unser Glauben bis zum Ende bewahrt bleibt, indem wir auf sein „Wachrütteln“ achthaben und ihm im Dank für jede Zucht darbringen. Denn Gott ist es, der unseren inneren Menschen nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit mit Kraft (Heiligen Geist) stärken möchte und uns somit unser Herz in Liebe zum HERRN Jesus Christus festigt. Die Liebe die, der Schlüssel zu dem Leben ist, dass sich jeder wiedergeborene Christ sich wünscht. In Ihr gründet alles. In Ihr finden wir Ruhe. In ihr können wir leben.